Ausschreibung

Das DFG Schwerpunktprogramm „Entangled Africa: Innerafrikanische Beziehungen zwischen Regenwald und Mittelmeer, ca. 6000 – 500 Jahre vor heute“ (SPP 2143) wurde vom Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft  (DFG) im April 2017 für eine Laufzeit von 6 Jahren eingerichtet. Die Ausschreibung lädt ein zur Einreichung von Anträgen für die erste dreijährige Förderperiode.

Gesellschaftspolitischer Hintergrund und wissenschaftliche Zielstellung:

Afrika erfährt derzeit ein hohes geopolitisches Interesse. Zum einen ist es der Kontinent, der am umfassendsten von globalen Klima- und Umweltveränderungen betroffen ist und dessen Gesellschaften und Wirtschaften am heftigsten unter interner Mobilität, Konflikten und Globalisierung leiden. Zum anderen ist Afrika auch der Kontinent, dem wir zahlreiche kulturelle Inspirationen und Innovationen verdanken und der in archäologischer Hinsicht ein Hotspot für die Erforschung der Menschheitsgeschichte ist.

Zahlreiche Konstellationen und Prozesse, die wir heute im nordhemisphärischen Afrika beobachten können, haben ihre Ursachen in der historischen und prähistorischen Entwicklung. Dabei stehen relativ gut erforschten Räumen und Zeitstufen nahezu unbekannte Regionen und weitgehend unverstandene Zusammenhänge gegenüber. Die bisherige Erforschung dieser Zusammenhänge erfolgte vor allem von außen, mit einem starken Fokus auf die außerafrikanischen – d.h. europäischen und vorderasiatischen – Einflüsse.

Dieses SPP wagt einen grundlegenden Perspektivwechsel. Unsere Hypothese lautet, dass innerafrikanische Beziehungen einen viel größeren Einfluss auf die Entwicklung menschlicher Gesellschaften in Afrika hatten als bisher angenommen. Um diese Hypothese zu überprüfen, werden wir die traditionellen Blickrichtungen der archäologischen Afrikaforschung umkehren. Nicht extrakontinentale Einflüsse sollen im Zentrum des Interesses stehen, sondern das Innere des Kontinents; wir wollen verstehen, welche innerafrikanischen Interaktionen in der Vergangenheit stattfanden und welche Prozesse vom afrikanischen Kontinent ausgehend auf benachbarte Regionen einwirkten.

Ziel des beantragten SPP ist es, das vielschichtige Geflecht weitreichender Beziehungen und Interaktionen der afrikanischen Vergangenheit im Raum zwischen Mittelmeer und Regenwald sichtbar werden zu lassen. Mittels eines breiten geistes- und naturwissenschaftlichen Methodenspektrums sollen Beziehungen und Vernetzungen erörtert werden, die in den letzten 6000 Jahren einen prägenden Einfluss auf die menschlichen Gesellschaften hatten, und die auch heute noch in unserer modernen und globalisierten Welt von Bedeutung sind.

Methodischer Rahmen:

Bei diesem SPP handelt es sich um ein archäologisches Schwerpunktprogramm. Die Mitglieder des SPP werden in enger Zusammenarbeit mit ihren afrikanischen Partnerinnen und Partnern arbeiten. Da Vernetzung erforscht werden soll, muss die Thematik der Projekte auf Überregionalität  ausgerichtet sein. Drei Fragestellungen hinsichtlich Vernetzung stehen innerhalb des SPP im Vordergrund:

1. Welche Indikatoren für überregionale Kontakte und Vernetzungen der Vergangenheit lassen sich erfassen?  
Diese erste Hauptfrage zielt darauf ab, durch empirische Grundlagenforschung die überlieferten Anzeiger überregionaler Kontakte zu erfassen. Darunter verstehen wir einerseits ortsfremde Objekte oder Materialien, deren Herkunft es zu klären gilt; andererseits aber auch Akteure, die sich beispielsweise anhand innovativer Technologien wie Nahrungsproduktion, Keramik- oder Metallherstellung oder Architektur erkennen lassen, oder die durch Schriftquellen nachgewiesen sind.

2. Welche Formen nahmen diese Interaktionen und Vernetzungen an?
Die zweite Hauptfrage führt uns dahin, Form und Organisation von Interaktionen zu analysieren, ihre räumliche Ausdehnung, zeitliche Tiefe und Infrastruktur zu erfassen. Es sind ihre Mechanismen zu verstehen, beispielsweise, welches Mobilitätsschema hinter dem Kontakt steckt: Migration, Austausch oder Handel? Auch gilt es Fragen nach ihrer Ursache oder Motivation, wie sie sich unter anderem im Zusammenhang mit der Ausbreitung technischer Innovationen stellen, zu beantworten.

3. Welche Muster lassen sich erkennen?
Welche Territorien sind zu welcher Zeit und auf der Basis welcher Mechanismen vernetzt? Hier werden ganz konkret die besonderen Einflussgrößen der letzten sechs Jahrtausende in den Blick genommen. Es gilt zu bewerten, welche Rolle die geografische Situation spielte, welche Klima- und Umweltveränderungen sowie gesellschaftlichen Umbrüche bei der Konfiguration von Vernetzungsmechanismen von Bedeutung waren.

Projektanträge sollten den räumlichen und zeitlichen Bezugsrahmen einhalten, d.h. auf Afrika zwischen Mittelmeer und Regenwald und auf einen Zeitraum zwischen 6000 und 500 Jahren vor heute fokussieren. Mindestens eine der drei oben genannten Hauptfragen ist dabei inhaltlich an zentraler Stelle zu berücksichtigen. Dadurch werden Kohärenz und Konnektivität zwischen den teilnehmenden Projekten gewährleistet. Mögliche Kooperationen mit anderen Forschungsvorhaben, welche gleichzeitig im Rahmen des SPP beantragt werden, sind ausdrücklich erwünscht und sollten bereits im Antrag genannt werden. Der finanzielle Rahmen für die einzelnen Projektanträge ist begrenzt. Es wird dringend empfohlen, sich vor Antragstellung diesbezüglich an den Koordinator zu wenden. Bitte beachten Sie bei der Konzeption der Projektanträge, dass der finanzielle Gesamtrahmen für die Ausschreibung begrenzt ist.

Reichen Sie ihren Antrag bis spätestens 15. November 2017 über das elan-Portal der DFG ein – dieses steht Ihnen für die Erfassung der antragsbezogenen Daten und zur sicheren Übermittlung von Dokumenten zur Verfügung. Wählen Sie in der angebotenen Liste der Ausschreibungen unter der Rubrik Schwerpunktprogramme „SPP 2143“ aus. Berücksichtigen Sie bitte beim Aufbau Ihres Antrags das DFG-Merkblatt 54.01 zu Sachbeihilfen mit Leitfaden für die Antragstellung und die Hinweise im Merkblatt Schwerpunktprogramm 50.05, Teil B – Allgemeine Informationen zur Antragstellung (insbesondere zur Antragsberechtigung und zu den beantragbaren Mitteln).

Handelt es sich bei dem Antrag innerhalb dieses Schwerpunktprogramms um Ihren ersten Antrag bei der DFG, berücksichtigen Sie, dass Sie sich bis zwei Wochen vor der Antragstellung im elan-Portal registrieren müssen. Die Bestätigung der Registrierung erfolgt in der Regel bis zum darauffolgenden Arbeitstag. Ohne vorherige Registrierung ist eine Antragstellung nicht möglich.

Der Antrag muss in englischer Sprache verfasst werden. Bitte senden Sie ein weiteres Exemplar des Antrags in elektronischer Form an den Koordinator des Programms PD Dr. Jörg Linstädter  (joerg.linstaedter@dainst.de).

Der Termin der Begutachtung wird zu gegebener Zeit bekannt gegeben.